Archiv für die Kategorie ‘07: Literatur & Unterhaltung’

Literatur im Netz

19. Mai 2009

Es gibt da etwas, dass für uns Germanistikstudenten sehr hilfreich sein kann.

„Bitte besorgen Sie sich doch bis zur nächsten Sitzung die Novelle von Theodor Storm – Der Schimmelreiter.“ hieß es da im Ia-Seminar: Einführung in die neuere deutsche Literatur. Toll, dachte ich mir wo krich ich denn das jetzt her, ohne viel Geld dafür auf den Tisch zu legen. Ich bezahl doch schon Studiengebühren. Da kam der Tipp von unserem Dozenten: „Wenn Sie mit einer elektronischen Form zurechtkommen, empfehle ich Ihnen das Gutenberg Projekt vom Spiegel. Da kann man das glaub ich auch finden.“ Super! Ab nach Hause, Google bemüht und siehe da:

Das Projekt Gutenberg.

Jetzt noch schnell auf das „S“ klicken und den Autoren und darüber dann die Novelle finden.
Perfekt! Was will man als armer Student mehr. Literatur für Lau!

Zu den Fakten: Das Projekt ging 1994 schon relativ früh online und ist seither stetig gewachsen. Veröffentlicht werden im Projekt Gutenberg Werke, dessen Copyright abgelaufen ist, d.h., deren Autor (und bei fremdsprachigen Werke auch der Übersetzer) länger als 70 Jahre tot ist. Derzeit sind mehr als 4.800 Bücher, ca. 20.000 Gedichte, sowie zahlreiche Märchen und Fabeln online. (Stand: Dez. 2008)
Das Projekt wurde bis 2002 von AOL Deutschland gesponsert und mit Webspace unterstützt. Seit 2002 ist das Projekt bei SPIEGEL ONLINE angesiedelt. Jeder kann dort mitmachen und z.B. sein Lieblingsbuch abtippen und einschicken. Es wird dann veröffentlicht, wenn das Copyright erloschen ist. Für die Bücher von Thomas Mann der 1955 gestorben ist, läge also die Veröffentlichung im Jahre 2026.

Daher ist das Literatur-Archiv, oder wie man es auch nennen mag ,nicht zu 100% vollständig und viele Texte dürfen noch nicht veröffentlicht werden. Dennoch kann es manchmal in der Germanistik sehr hilfreich sein. Es lohnt sich vorallem, wenn es nur um ein bestimmtes Kapitel aus einem Buch geht. Wer gerne am Bildschirm sitzt, der kann natürlich auch das ganze Buch lesen.

Agrippa – ein Beispiel für digitale Literatur

18. Mai 2009

Agrippa (a book of the dead) ist eine Gemeinschaftsarbeit aus dem Jahr 1992 von Dennis Ashbaugh, Kevin Begos und William Gibson.

Der Inhalt des Buches besteht aus einem Code-Abschnitt aus dem Genom der Fruchtfliege, dessen Satz (42 Zeilen in zwei Spalten) dem der Gutenberg-Bibel nachempfunden ist. Daneben finden sich Radierungen von Dennis Ashbaugh, ähnlich den Mustern, die beim Verfahren der DNS-Elektrophorese entstehen. Über einige davon wurden Faksimiles von US-amerikanischen Zeitungsanzeigen aus den 1920er Jahren gedruckt.

Schätzungsweise wurden zwischen 100 und 120 Exemplare hergestellt, von denen jedes per Hand nachbearbeitet wurde und somit einzigartig ist.

Verarbeitung und Satz des Buches stehen für die Anfänge der technischen Text-Reproduktion. Das Gegenstück, stellvertretend für den Stand der Entwicklung im Jahr 1992, ist eine im Buch eingebettete eine 3½-Zoll-Diskette, auf der sich der literarische Inhalt des Werkes befindet. Ein Programm auf der Diskette scrollt bei Aufruf das Gedicht von William Gibson über den Bildschirm, danach wird der Text unwiderruflich verschlüsselt, so dass dieser Vorgang nicht wiederholt werden kann.


Link zur Emulation des Agrippa-Programmes

Die Oszillation, die etwa von Christiane Heibach als Grundeigenschaft digitaler Literatur herausgestellt wird, findet hier nur horizontal statt – die semantische Ebene des Programmcodes interagiert mit der des literarischen Inhaltes. Eine vertikale Oszillation zwischen Mensch und Maschine dagegen fehlt: Nach dem Start hat der Leser keine Möglichkeit mehr, mit dem Programm zu interagieren. Er wird zum passiven Zuschauer, dem nichts anderes übrig bleibt, als den Text mit der von der Maschine vorgegebenen Geschwindigkeit zu lesen. Die Software enthebt den Rezipienten jeglicher Kontrolle über den Text.

Mit dem Ende des Programmes endet auch die horizontale Oszillation, indem der textuelle Inhalt sich in der Verschlüsslung irreversibel auflöst. Der gerade noch Identifizierbare wird in bedeutungslose Zeichenketten transformiert. Das digitale Medium ist in diesem Fall ein gewollt flüchtiges.

Eine ausführliche Dokumentation über Agrippa bietet die UCSB unter http://agrippa.english.ucsb.edu/

Kleine Aufgabe zur Online-Literatur

7. Mai 2009

Frau Bleicher bittet euch, für die übernächste Sitzung (7) ein paar Beispiele für digitale Literatur zu sammeln (und ggf. kurz vorzustellen).

Das können also Websites und Projekte zu Netzliteratur sein (oder zu Literatur im Netz), oder euer Lieblingsroman, der wie ein Chat geschrieben ist, oder auch Details zu eurem grandiose Gedichte verfassenden Online-Flirt …

Wir sind gespannt, postet die Links gerne hier im Blog!

Vielleicht möchte auch jemand eine Netzminute auf 23:40 mit einem erhellenden Beitrag füllen, in jedem Fall passt das Vorwort (zur ersten Phase, 1997) doch ganz gut zu unserem Blogprojekt …

http://www.dreiundzwanzigvierzig.de/vorwort.html